Nelson Mandela, ein Plastikeimer – und keine Kohle

Es war einmal…eine Zeit lange, lange vor den beim heutigen Nachwuchs eher angesagten Spielkonsolen: Die Ära von „Mensch ärgere dich nicht“ oder auch „Mein erster kleiner Zauberkasten“. Legionen von Dreikäsehochs hatten ihre helle Freude an den wundersamen, mit einfachsten „Bordmitteln“ bewerkstelligten Taschenspielertricks. Man konnte gleichsam Berge versetzen unter Zuhilfenahme von Alufolie, Plastikeimerchen, rauchenden Tinkturen, und ganz viel Hokus-Pokus. Ihren besonderen Reiz verloren diese possierlichen Tricks dann leider mit dem Älterwerden der kleinen Zauberlehrlinge und deren damit einhergehender, enttäuschender Erkenntnis: Es ist in Wahrheit alles eben doch nur Schall und Rauch.

Dass der ein oder andere Mitbürger ebendiesen Absprung nicht ganz geschafft hat, beweist einmal mehr ein in Köln und Leverkusen eingetretener Fall des „Wash-Wash-Tricks“. Fazit: Eine Festnahme, zwei Gelackmeierte, und 50.000 Euro „im Nirwana“.

Ein in Leverkusen wohnhaftes Brüderpaar (33, 35) aus dem Südosteuropäischen hatte vordem einen Mercedes zum Verkauf inseriert. In der Keupstraße in Köln – Mülheim wurden die Männer daraufhin am Freitag (02. September) von zwei ihnen unbekannten, als „Afroamerikaner“ Beschriebenen angesprochen. Nachdem man sich auf einen Kaufpreis von 25.000 Euro geeinigt hatte, wurde ad hoc ein Besichtigungstermin für den nächsten Tag in Leverkusen vereinbart.

Am Samstagmittag (03. September) traf sich das Quartett an der Wohnanschrift der Verkäufer. Hierbei stellte sich einer der beiden Kaufinteressenten (38) als „wohlhabender Politiker“ und zudem „Neffe von Nelson Mandela“ vor. „Das hat uns schon gewundert“, so der 33-Jährige später gegenüber den aufnehmenden Ermittlern. Sie hätten allerdings ein kleines Problem, gab das tatsächlich aus Kamerun stammende Duo zu verstehen. Infolge hoher Steuer- und Zollauflagen hätten sie ihren umfänglichen Bargeldbestand vor der Ausfuhr schwarz einfärben müssen. „Das wird in der Bank in Afrika so gemacht“, bekräftigten die Betrüger. Und: „Das lässt sich aber ziemlich schnell wieder umwandeln.“

Auf die verdutzte Frage, wie das denn nun vonstatten gehen solle, packte der 38-Jährige einen 500-Euro-Schein zwischen zwei der mitgeführten schwarzen Scheine. Theatralisch gab er dann eine geheimnisvolle Flüssigkeit hinzu und umwickelte das Bündel mit Alufolie. Anschließend stellte er sich mehrere Minuten lang mit beiden Füßen darauf und bat dann um kochendheißes Wasser. Dieses wurde ihm von den schon fast Übertölpelten in einem Behältnis gereicht. Und nachdem der Schwarze die Scheine mehrfach in das heiße Wasser getaucht hatte – Simsalabim! „Da waren es dann drei 500-Euro-Scheine“, erinnerte sich eines der Betrugsopfer später. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mann die Bodenhaftung allerdings noch nicht gänzlich verloren. Auf einer nahegelegenen Bank ließ er sich die Echtheit der drei Scheine attestieren.

Für die Abwicklung des Autokaufs benötigten die Kameruner demzufolge jedoch „zum Zwischenlegen und Umfärben“ weitere echte Scheine von den Verkäufern. Nun bat das verdächtige Duo seine Opfer um Unterstützung bei der Umwandlung eines sehr viel höheren Betrages: Jetzt ging es um immerhin 100.000 Euro. Hierbei stieß die Liquidität der Leverkusener allerdings an ihre Grenzen. Man einigte sich schließlich auf die „Zurverfügungstellung“ von 50.000 Euro. „Die wollten da 100.000 Euro draus machen“, so der 35-Jährige. „Meine Frau hatte so eine Ahnung und hat mir abgeraten.“ Hätte er nur auf seine bessere Hälfte gehört. Doch „halb zogen sie ihn, halb sank er hin“. Und nachdem der Geschädigte den erbetenen Betrag von seinem Kreditinstitut abgehoben und – den ihm nach wie vor namentlich Unbekannten – ausgehändigt hatte, begannen die „Starmagier“ mit ganz großem Kino:

Handschuhe übergestreift – Merke:“Das Puder auf den schwarzen Scheinen darf nicht berührt werden“ – Sortieren: Zwei schwarze, ein weißer Schein dazwischen, zwei schwarze, dazwischen wiederum ein weißer – darauf dann weiteres Puder gestreut – die Bündel hochkant gestellt – mit Alufolie umwickelt – das Ganze komplett mit Paketklebeband zugeschnürt – kochendes Wasser reichen lassen – die in vier Spritzen eingebrachte Zaubertinktur gezückt – eine Tablette geschluckt, weil: „Die bei den Injektionen aufsteigenden giftigen Dämpfe dürfen nicht eingeatmet werden“ – infolgedessen mitsamt dem großen Paket und den Spritzen ins Badezimmer zurückgezogen – die Tinktur injizieren. „Der hat dabei so laut gewürgt, dass ich dachte, der würde umkommen“, so einer der im außerhalb des Badezimmers Wartenden. Eine Nachschau ergab, dass der „Umfärber“ bereits stark gerötete Augen hatte und erbärmlich würgte. Mitleidig reichte der Geschädigte dem schwer Leidenden ein Glas Milch. Anschließend baten die Unbekannten wiederum um heißes Wasser. Dieses schütteten sie in ein mitgeführtes „Eimerchen mit Henkel, in dem sich ein weißes Pulver befand“. Infolge des hineingetauchten Alupakets stieg dann weiterer, ätzender Geruch auf, so dass sich der Übertölpelte zurückziehen musste. „In diesem Moment konnte ich nicht mehr sehen, was die beiden im Badezimmer anstellten.“ Das angeblich präparierte Geldpaket wurde dann unter die umgedrehte Tischplatte gelegt. „Das muss jetzt zwei bis drei Stunden beschwert werden, damit das Mittel ordentlich wirkt“, gab einer der Schwarzen zu verstehen.

Unter dem Vorwand, etwas Afrikanisches essen zu wollen, das man nur in Köln bekomme, versuchte das Duo sich dann plötzlich zu entfernen. Misstrauisch geworden, begleiteten die Gefoppten die beiden jedoch in die Domstadt. Am Kölner Hauptbahnhof wollte der 38-Jährige endgültig das Weite suchen. Der 33-Jährige hielt den Betrüger jedoch fest und übergab ihn herbeieilenden Bundespolizisten. Seinem unbekannt gebliebenen Mittäter war jedoch bereits vorher die Flucht gelungen. Offenbar mitsamt der Beute, denn das in Leverkusen zurückgelassene Paket war leer. Und eine Durchsuchung der Neusser Wohnung des Festgenommenen verlief erfolglos.

Der 38-Jährige wollte sich in seiner Vernehmung zum Sachverhalt nicht wirklich einlassen. Er wisse gar nicht, was passiert sei, er habe keine Ahnung. Trotz der – möglicherweise infolge der eingesetzten ätzenden Substanz – eingetretenen Amnesie ermittelt nun das Kriminalkommissariat 33 wegen Betruges gegen den Zauberkünstler.

Quelle: PM der Polizei Köln vom 06.09.2011

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