Kernsätze:

– Gesamtzahl der Straftaten leicht rückläufig

– Aufklärungsquote mit 66,2 % auf langjährigem Höchststand

– Besonders starke Rückgänge bei Delikten im öffentlichen Raum

Allgemeines und Grunddaten:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Zusammenstellung aller der Polizei in einem bestimmten geografischen Raum bekannt gewordenen strafrechtlichen Sachverhalte. Im Fall der PI Remagen umfasst dieser Raum die Städte Remagen und Sinzig, Stadt und Verbandsgemeinde Bad Breisig sowie große Teile der VG Brohltal – ein Gebiet von rund 220 qkm mit insgesamt etwa 60.000 Einwohnern.

In 2020 wurden hier 3.414 Straftaten registriert (Verkehrsdelikte zählen bis auf wenige Ausnahmen hier nicht dazu), das sind 55 oder 1,6 % weniger als im Vorjahr (2019: 3.469). Damit setzt sich ein positiver Trend fort, der in 2011 bei 5.460 – allerdings bei einem etwas größeren Dienstgebiet – seinen Anfang genommen hatte. Einen Täter ermittelt haben die Beamten in 2.260 Fällen was einer sehr guten Aufklärungsquote von 66,2 % entspricht (langjähriger Mittelwert: um die 62 %). Als Tatverdächtige ermittelt und identifiziert werden konnten 1.767 (2019: 1.673) Personen, wovon gut ¾ männlichen Geschlechts waren („Kriminalität ist männlich“). Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist im Bereich der PI Remagen seit vielen Jahren sehr konstant und bewegt sich in einem engen Kanal zwischen 23 und 24 % (2020: 23,3 %). Immerhin 2.561 (rund 75 %) der 3.414 Straftaten wurden von den Beamten der PI Remagen nicht nur aufgenommen, sondern auch „bürgerfreundlich vor Ort“ abschließend bearbeitet. Das verbleibende Viertel wurde zwar ebenfalls zumeist von Remagener Polizisten im „Ersten Angriff“ aufgenommen, in der Folge aber bei der Kriminalinspektion Mayen oder von der Bundespolizei (insbesondere Delikte im und rund um den Bahnverkehr) endbearbeitet; in besonderen Einzelfällen auch von der Kriminaldirektion Koblenz.

Gut für das Sicherheitsgefühl: Einbrüche bleiben auf niedrigem Niveau

Das Zuhause ist der wichtigste Ort im Leben vieler Bürgerinnen und Bürger. Hier will man sich wohl und geborgen fühlen – das Sicherheitsbedürfnis ist dementsprechend besonders hoch. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erfreulich, dass die Zahl der Einbrüche in Privatwohnungen sich auch in 2020 auf niedrigem Niveau eingependelt hat. Hatte die Polizei Remagen in 2016 noch 173 Einbrüche in der Region registriert, waren es in 2017 mit 142 schon spürbar weniger. Nach 89 Einbrüchen in 2018 und 56 in 2019 blieb die Zahl der Wohnungseinbrüche in 2020 mit nunmehr 59 solcher Delikte nahezu gleich. Hier zeigen offenbar die umfassenden Aufklärungs-, Präventions- und Kontrollmaßnahmen der letzten Jahre deutlich Wirkung. Nicht zu vergessen die zahlreichen Initiativen von Bürgern auf örtlicher Ebene und eine wieder gestiegene Aufmerksamkeit für das eigene Umfeld und funktionierende Nachbarschaft. Ob und inwieweit sich coronabedingtes Homeoffice bzw. verstärkte Anwesenheit in den Wohnräumen ebenso positiv niedergeschlagen hat ist nicht quantitativ belegbar, erscheint aber nicht lebensfremd.

Weniger Straftaten im öffentlichen Raum

Ebenso kann man Zusammenhänge mit den Corona-Einschränkungen vermuten, wenn man die Straftaten betrachtet, die sich ganz oder zumindest häufig im öffentlichen Raum abspielen. Gemeint sind hier in erster Linie Sachbeschädigungen und Rohheitsdelikte. Zwar lag die Gesamtzahl der der Polizei gemeldeten Körperverletzungsdelikte mit 401 im Bereich des langjährigen Mittels, die Zahl der rechtlich als gefährliche Körperverletzung eingestuften Delikte sank in 2020 aber deutlich auf 69 (2019: 83, 2018: 93). Hier liegt die Aufklärungsquote traditionell bei 90 % und höher, da Menschen, die Konflikte körperlich austragen, sich zumeist kennen oder zumindest in irgendeiner Form Vorbeziehungen haben – was der Polizei regelmäßig gute Ermittlungsansätze liefert. 2020 wurden unter dem etwas weiter gefassten Begriff der Rohheitsdelikte (dieser umfasst neben KV-Delikten u.a. auch Nötigung, Bedrohung und Straßenraub) 611 Taten registriert. Das ist praktisch keine Veränderung zu 2018 und 2019 als jeweils

616 Rohheitsdelikte in die Statistik eingingen. Günstig stellt sich auch die Entwicklung bei den Sachbeschädigungen dar. Deren Gesamtzahl lag in 2020 mit 339 (darunter 142 Sachbeschädigungen an Kfz) gut 10 % unter dem Niveau der Vorjahre

(2019: 382 SaBe gesamt/158 Kfz, 2018: 364/173)

Zwiespältig: Häusliche Gewalt bleibt mit oder ohne Corona ein aktuelles Thema

Relativ stabil geblieben ist in 2020 die Zahl der Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt oder der „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ wie es in vielen Publikationen heißt. 134 solcher Delikte wurden im abgelaufenen Jahr bei der PI Remagen bekannt. In 2019 waren 125 und in 2018 126 solcher Straftaten im unmittelbaren persönlichen Umfeld aufgenommen worden. Ob und in welchem Umfang Corona sich hier ausgewirkt hat – positiv oder negativ – ist hochspekulativ und kann von hiesiger Seite nicht bewertet werden. Gewalt ist bekanntlich vielschichtig und daher soll nicht verschwiegen werden, dass es in den 134 in

2020 registrierten Fällen 100-mal zu unmittelbaren körperlichen Übergriffen kam, also Körperverletzungen im engeren Sinne. In 20 Fällen wurden in diesem Zusammenhang Nötigungs- oder Bedrohungsanzeigen erfasst und achtmal erfüllte das aufdringliche Vorgehen der Tatverdächtigen nach polizeilicher Bewertung den „Stalking-Tatbestand“. Bei diesen Konstellationen bleibt es regelmäßig nicht nur bei einem Polizeieinsatz und einer Strafanzeige, vielmehr werden solche problembehaftete Beziehungen häufig mehrfach aufgesucht. Spätestens dann wird regelmäßig ein engmaschiges Hilfs- und Betreuungsangebot angestrebt, in das eine Reihe von staatlichen wie nichtstaatlichen Hilfsorganisationen eingebunden sind, z.B. die polizeiliche Opferbetreuung, die Interventionsstelle oder das Jugendamt auf Kreisebene, die Familiengerichte, der „Weiße Ring“, aber auch die Täterarbeitseinrichtung „CONTRA häusliche Gewalt“, die nicht das Opfer, sondern den Täter selbst in den Fokus ihrer Maßnahmen stellt. Professionelle Hilfsangebote gibt es inzwischen also sehr viele, Teil der Realität ist aber auch, dass es nach polizeilicher Erfahrung auf Seiten der Betroffenen häufig immer noch viel Überwindung oder Überzeugungsarbeit braucht, diese Hilfe überhaupt anzunehmen bzw. für sich selbst die Rolle des hilfsbedürftigen Opfers zu akzeptieren.

Betrug stark rückläufig – Sondererfassung Cybercrime

Auf den ersten Blick wird es viele Betrachter erstaunen, dass die Betrugsdelikte bei der PI Remagen seit Jahren rückläufig sind. Waren es in 2014 noch über 1.000 Fälle, sank deren Zahl kontinuierlich auf nunmehr 413 Delikte in 2020. Das gilt aber nur für die „klassischen“ Betrugsdelikte wie etwa Waren- oder Leistungsbetrug oder Tankbetrug. Dass eine Vielzahl aktueller, vor allem der internetbasierten Betrugsdelikte, sich in diesen Zahlen nicht niederschlägt, liegt im Tatort- bzw. Territorialprinzip der Kriminalstatistik begründet. Die große Masse der (Serien-)Betrugsdelikte wie etwa „Enkeltrick“, Anrufe falscher Polizeibeamter, Microsoft-Support-Anrufer, falsche Gewinnbenachrichtigungen, Bitcoin-Erpressungen, falsche Inkassoschreiben oder ausgespähte Kreditkartendaten um nur einige der gängigsten Maschen zu nennen, wird inzwischen über das Telefon und/oder das Internet abgewickelt. Diese Delikte werden in der Regel bei der Kriminalinspektion in Mayen bearbeitet. Die Täter befinden sich in diesen Fällen also gar nicht körperlich innerhalb des Dienstgebietes der PI Remagen und in vielen Fällen nicht einmal innerhalb Deutschlands. Diese Delikte werden daher in der allgemeinen PKS überhaupt nicht erfasst. Sie werden zwar „gezählt“, aber eben nur vom BKA auf Bundesebene, da sie in der Regel keinem bestimmten Ort oder Region als Tatort zugerechnet werden können. Allerdings wohnen natürlich viele Opfer bzw. Geschädigte dieser überregionalen Betrugsmaschen im Bereich der PI Remagen, so dass die Anzeigenaufnahme, Erstbearbeitung und ggf. Weitersteuerung dieser Delikte auch bei der PI Remagen sehr viel Zeit und Personalressourcen bindet – und für viel Verdruss bei den Betroffenen sorgt.

Alles in allem gilt aber nach wie vor, dass es sich in der Region sicher und gut leben lässt. Die reizvolle Landschaft und vielfältigen Möglichkeiten machen aus Rhein-, Ahr- und Brohltal einen attraktiven Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der PI Remagen werden ihr Bestes geben, dass das auch in Zukunft so bleibt. Dabei können alle Bürgerinnen und Bürger ein Stück weit mithelfen, in dem sie sich um ihre Nachbarn und ihr persönliches Umfeld kümmern und bereit sind, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen.

PM der PI Remagen vom 11.03.2021

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