Berlin: Ermittlungen gegen Polizeibeamten eingeleitet

Die Polizei Berlin hat heute unmittelbar nach Bekanntwerden eines auf einer Internetplattform eingestellten Videos von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet. Das Video zeigt einen Beamten, der einen von zwei anderen Beamten getragenen und offenbar zuvor festgenommenen Mann schlägt. Die weiteren Ermittlungen hat das zuständige Fachkommissariat des Landeskriminalamtes übernommen und führt diese mit Hochdruck.

Ort des Geschehens war nach den bisherigen Erkenntnissen eine Versammlung gestern Abend auf dem Alexanderplatz in Mitte. Dort hatten nach einem Spontanaufzug, der gegen 17 Uhr 30 am Brandenburger Tor gestartet war, mehrere Personen Zelte aufgebaut und sich darin niedergelassen. Die eingesetzten Beamten sprachen daraufhin Platzverweise aus, denen nicht nachgekommen wurde. Insgesamt wurden sieben Teilnehmer in eine Gefangenensammelstelle gebracht, erkennungsdienstlich behandelt und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben der Einsatzkräfte leisteten fünf von ihnen bei der Zuführung zum Dienstfahrzeug teilweise erheblichen Widerstand. Hierzu fertigten die Polizisten entsprechende Strafanzeigen. Ob sich auch der in der Videosequenz erkennbare Mann unter den vorläufig Festgenommenen befand, ist zur Zeit noch nicht geklärt.

Quelle: PM der Polizei Berlin vom 27.08.2011

Hach, wieder diese krasse Vertuschung bei der bösen, bösen Polizei… *Sarkasmus Ende*

9 Kommentare
  1. Hans-Gerd Birkholz sagte:

    Ins Gesicht geschlagen hat der PB schon mal nicht! Es ist auch nur eine Sequenz des Videos.
    Offensichtlich versucht der PB den Widerstand zu brechen, indem er ihn in die Magenpartie schlät. Das Vorausgegangene, wird ja mal wieder nicht gezeigt- aber man hört ja einiges..
    Spreche ich nach dem Polizeigesetz einen Platzverweis aus, so ist diesem Folge zu leisten. Wird sich dem widersetzt kann ich ihn auch mit unmittelbarem Zwang durchsetzen, sprich – ich setze die Anordnung, notfalls mit körperlicher Gewalt, durch.

    Antworten
  2. Sebastian sagte:

    Also ich sehe das anders. Wenn man sich die Sequenz anschaut sieht man, wie der junge Mann mit dem Fuß gegen den vorderen Beamten schiebt. Was er mit dem Kopf macht sieht man nicht, da er verdeckt ist. Aber auch da fallen mir einige Möglichkeiten ein, was er gemacht haben könnte. Letztendlich hat er sich gewehrt. Und dieser eine Schlag war ein geeignetes Mittel, um die Festnahme durchzusetzen.
    Was hätte man den sonst machen sollen? Hinstellen und diskutieren? Irgendwann ist einfach Schluss. Wenn sich der Demonstrant schon wegtragen werden will, dann soll er halt ruhig halten.
    Der Schlag ins Gesicht bezieht sich warscheinlich auf die Festnahme des Demonstranten im Zelt. Dieser hat sich auch aktiv gewehrt. Kreativer wäre es gewesen einfach das Zelt zu schließen und ihn mitzuziehen. Aber auch da würden sich die Demonstranten aufregen.

    Interessanter sind eigentlich die Komentare bei youtube (kurze Videosequenz).

    Antworten
    • mgernhardt sagte:

      Ja, die Kommentare sind wirklich interessant. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem „allumfassenden Wissensstand“ dieser Leute. Die wissen nicht nur ganz genau wie Polizeiarbeit geht, die wissen auch über medizinische Details ganz genau Bescheid.

      Ich persönlich finde aber auch die Stimmen aus dem Off im langen Video nicht uninteressant. Relativ zu Beginn hört man einen Mann, der Polizisten kritisiert, weil sie sich Handschuhe anziehen, bevor sie „eine Frau fertigmachen“. Später sieht man, wie diese Frau weggeschleift wird. Also „fertigmachen“… na ja… und wehe, sie hätten die Frau unbehandschuht angefasst, dann wäre ihnen vermutlich wer weiß was unter der Gürtellinie unterstellt worden. Das beweist mir mal wieder, dass Polizisten es solchen Leuten sowieso nicht Recht machen können. Denen geht es auch meiner Ansicht nach gar nicht um die Sache, sondern darum, in jedem Fall jedem Polizisten möglichst an Bein zu pissen.

      Auch nicht schlecht der Mann mit Akzent, der am Schluss zu dem Polizisten mit der Kamera sinngemäß sagt: „Jetzt bist Du stark, Junge. Aber wir sehen uns wieder. Irgendwann wirst Du nackt sein und dann…“ Das ist natürlich Gewaltfreiheit pur.

      Überhaupt habe ich persönlich die allergrößten Schwierigkeiten mit Leuten, die offenbar eine Wahrnehmungsstörung bezüglich ihres eigenen Anteils an Eskalationen haben.

      Zu dem Schlag selber kann ich nichts sagen. Ich muss zugeben, dass mir das viel zu schnell geht und ich deshalb wirklich nicht viel erkennen kann. Da ja selbst Polizisten dazu uneins sind, fühle ich mich dabei außerstande, eine Entscheidung zu treffen. Steht mir als Laie ja auch gar nicht zu. (Ich bin halt nicht so eine Expertin wie die, die unter dem kurzen Video kommentiert haben…. 😉 )

      Antworten
  3. Polizist sagte:

    Hallo zusammen !
    Grundsätzlich finde ich die Facebook-Aktion „Keine Gewalt gegen Polizeibeamte“ sehr interessant und aufmunternd, da es mich selbst auch betrifft. Gut aber, dass man aber auch mal über solche Vorfälle diskutiert. Die Meinungen gehen hier natürlich auch weit auseinander. Da ich nun auch dieser Berufsgruppe im polizeiunfreundlichen Berlin angehöre, möchte ich die gezeigten Aufnahmen bei YouTube im Einzelnen nicht kommentieren, da ich selbst nicht dabei war und der Beamte sicherlich seine Gründe dafür hat.
    Ich bin aber schon ganz klar der Meinung, dass es auch andere Lösungen gibt, als jemanden zu schlagen. Rechtlich gesehen ist der Einsatz von Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt vorzuziehen, wenn dieses im Verhältnis zum gewünschten Erfolg steht. Einfacher ausgedrückt, der Einsatz des MES (sog. Tonfa) im Bereich der Hebeltechniken sowie der Einsatz von Pfefferspray müssen durch die Beamten geprüft worden sein. Es ist ein leidiges Thema dass immer wieder Filmaufnahmen, Sequenzen von angeblich unberechtigter Polizeigewalt bei You Tube auftauchen und sich die Gesellschaft fragt, warum die Polizei so vorgeht. Durch bestimmte Szenebereiche (Rechts/Links/Hooligans etc.) werden solche Aufnahmen regelrecht inszeniert, um Anhänger zu gewinnen, die gegen diese vermeidliche Ungerechtigkeit vorgehen. Diese Gewalt gegen Polizeibeamte scheint dann in ihrer Gesamtheit diesen Szenen legitim und trifft dann in der Regel auch unbeteiligte Dritte (siehe Flaschenwürfe). Leider muss ich allerdings auch sagen, dass durch die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte, die schwache Gerichtsbarkeit in Berlin, die Form der Führung innerhalb der Polizei und die Machtlosigkeit der Beamten gegen gewalttätige Personen und Gruppen, zu einem starken und anhaltenden Frust einzelner Beamten führt. In Phasen höchster Anspannung durch die o.g. Probleme, dazu massive Dienstzeitverlagerungen sowie permanenten Einsätzen und stundenlangen „Runtermachen“ der Polizisten vor Ort, kann es durchaus vorkommen, dass einzelne Polizeibeamte ihre Wut und Aggression in Situationen entladen und dann überreagieren. Da spielt die Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme plötzlich keine Rolle mehr.
    … und ich kann das leider völlig nachvollziehen
    Man kann von einem Polizisten Professionalität und Selbstkontrolle erwarten, jedoch sind es auch nur Menschen mit einem verdammt schwierigen Job. Ich erwarte natürlich nicht, dass solche Ausnahmesituationen von der Gesellschaft toleriert und akzeptiert werden. Man urteilt nur leider immer zu früh über das Gesehene und hinterfragt zu selten.

    Dankeschön fürs „Zuhören“

    Antworten
    • mgernhardt sagte:

      Danke für diesen langen, ausführlichen und erhellenden Kommentar. Und danke für das Lob der Facebook-Seite, die ja nur ein Teil des Gesamtprojekts „Keine Gewalt gegen Polizisten“ ist. Einen Überblick kann man sich auf http://www.keine-gewalt-gegen-polizisten.de verschaffen. (Kleiner Werbeblock in eigener Sache, muss auch mal sein… 😉 )

      Was Deine Ausführungen über den Frust betrifft und seine Auswirkungen, so kann ich Dir nur zustimmen. So sind Menschen und Menschen sind keine Maschinen. Im Grunde triffst Du damit den Kernpunkt des Projekts – Polizeibeamte sind Menschen mit allen guten und schlechten Seiten, die Menschen nun mal so haben. Genau das versuche ich mit diesem Projekt rüberzubringen.

      Auch ich will damit nichts rechtfertigen. Aber es ist allerdings keine allzu neue Erkenntnis, dass Menschen, die man pausenlos unter steigenden Druck setzt, irgendwann platzen. Man hat auch bei jedem Verständnis dafür, nur bei Polizisten hapert es da gewaltig. Interessanterweise sind da jene immer am empörtesten, die Polizisten gerne mit „Robocop“ beschimpfen. Gerne mit dem Zusatz „this machine has no brain“. Halten sie dann aber dem Druck nicht mehr stand, und zeigen damit eine menschliche Regung (wenn auch eine unschöne menschliche Regung) ist es auch wieder nicht Recht.

      Und die Polizisten auf dem Video stehen auch unter Druck. Ich möchte mit Menschen, deren Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden, nicht tauschen.

      Eines noch: wenn man bedenkt, wie irre hoch der Druck ist, der da derzeit aufgebaut wird, passieren solche Dinge eigentlich relativ selten. Hut ab!

      Ich danke Dir für den Kommentar. Und „Zuhören“ mache ich gerne… 😉

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.