Der am 23.11.2011 um 16.01 Uhr in Valognes bei La Hague (Frankreich) gestartete Transport mit nuklearem Abfall aus der Wiederaufbereitungsanlage ist im Transportbehälterlager bei Gorleben angekommen. Die elf Behälter vom deutschen Typ HAW28M erreichten ihr Ziel am 28.11.2011 um 22.09 Uhr.

Dieser Transport ist in den Medien bereits als „Längster Castortransport aller Zeiten“ bezeichnet worden. Von der reinen Stundenanzahl her betrachtet ist dies richtig, jedoch hat die Transportdauer für die Einsatzleitung weder bei den vorangegangenen noch bei diesem Transport eine Rolle gespielt. Die Stundenzeiten der einzelnen Transporte sind miteinander nicht vergleichbar, da jedem Einsatz ein neues Konzept zu Grunde liegt. So waren dieses Jahr unterwegs von vornherein größere Zugpausen eingeplant worden, ferner hielt der Zug aufgrund der kurzfristig vorgezogenen Abfahrt fast einen ganzen Tag in Frankreich.

Mit Besorgnis haben die verantwortlichen Polizeiführer die hohe Gewaltbereitschaft bei eventorientierten und gewaltbereiten Personen festgestellt. Diese Gruppen stellen zwar eine Minderheit dar. Allerdings wurden im Vergleich zu den Vorjahren die Polizeibeamten und -beamtinnen deutlich massiver, z. B. durch Steinbewurf und Pyrotechnik, angegriffen. Dies geschah teilweise auch schon in Situationen, in denen die Polizeikräfte einfach nur vor Ort anwesend waren. Ferner versuchte man, Polizeikräfte in einen Hinterhalt zu locken und dort mit gefährlichen Wurfgeschossen zu bewerfen.

1. Der Castoreinsatz in Zahlen

1.1 Eingesetzte Kräfte

Gesamtzahl der Einsatzkräfte der Polizeien der Länder: 12.405
davon aus Niedersachsen : 5.360
Gesamtzahl der Einsatzkräfte der Bundespolizei: bundesweit 8.010

Verletzte Polizeibeamte/-innen:

Im Rahmen des Einsatzgeschehens wurden insgesamt 133 Polizeibeamte/-innen verletzt. Von diesen verletzten Beamten/-innen wurden 73 durch Einwirkung von Störern (z.B. Stein-/Flaschenbewurf, Beschuss mit Pyrotechnik) verletzt, bei den Übrigen handelt es sich um Verletzungen ohne Fremdeinwirkungen. 21 beschädigte Fahrzeuge, teilweise nicht mehr einsatzbereit, sind ein Ergebnis der Angriffe auf die Einsatzkräfte.

2. Statistik

2.1 Maßnahmen zur Strafverfolgung (gemäß StPO)

– Festnahmen : 43
– Strafverfahren gesamt : 269
– davon nach Versammlungsgesetz : 11

2.2 Maßnahmen zur Gefahrenabwehr (gem. Nds. SOG und BPolG)

– Ingewahrsamnahmen : 1.553
– Platzverweise : 5.080
– Sicherstellungen von Traktoren : 27

2.3 Versammlungsanmeldungen

– Versammlungsanmeldungen gesamt 74
– Bestätigungen 65
– Verbote 2
– Anmeldungen, die nicht dem VersG unterlagen 5

3. Ereignisse von besonderer Bedeutung (auszugsweise)

Bereits vor Abfahrt des Zuges und auf dem Weg durch Frankreich kommt es zu massiven Protesten.

Nach Grenzübertritt am 25.11. um 10.00 Uhr behindern den Transportzug auf seinem Weg in das Transportbehälterlager verschiedene Aktionen. So wird die Fahrt zwischen Neustadt/Weinstraße und Darmstadt durch rund 150 Personen im Gleis und eine USBV (unbekannte Spreng- und Brandvorrichtung) aufgehalten. Diese stellte sich nach Überprüfung als Attrappe heraus.

In den Morgenstunden des 26.11. stoppt der Zug, in der Nähe von Reckershausen, da sich dort Personen im Gleis befinden. Am Abend kommt es im Bereich Ramelsloh zu Gleisblockaden, die zu einem weiteren Stopp führen.

Mittwoch, 23.11.2011
– Bereits weit vor Eintreffen des Castor-Transportzuges legen Unbekannte im Bereich Harlingen und auf der Landesstraße 231 eine Vielzahl von Krähenfüßen aus.
– In Hitzacker werden Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beschossen.

Donnerstag, 24.11.2011
– Die Schülerdemonstration in Lüchow verläuft mit einer Teilnehmerzahl von ca. 2000 Menschen und mit 14 Traktoren insgesamt friedlich. Es kommt nur am Rande vereinzelt zu Eierwürfen gegen Polizeikräfte und -fahrzeuge. Einzelne Feuerwerkskörper werden gezündet.
– Im Anschluss an eine Versammlung in Metzingen mit etwa 1000 Teilnehmern, besetzen ca. 800 Protestler die Bundesstraße 216. Bei beabsichtigter Räumung kommt es zu massivem Bewurf der Einsatzkräfte mit Farbbeuteln, Steinen, Flaschen und Pyrotechnik. Die Polizei muss die Räumung mit Zwangsmitteln (Schlagstock und Pfefferspray sowie Wasserwerfer) fortsetzen. Bei diesem Einsatz erleiden sechs Polizeibeam¬tinnen/-beamte durch Angriffe Verletzungen.

Freitag, 25.11.2011
– Eine Versammlung in Lüneburg mit bis zu 2000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen verläuft friedlich.
– Im Bereich der Göhrde kommt es zu verschiedenen Störeraktionen.
* In der Nähe von Dumstorf und bei Grünhagen „schottern“ auf einer Länge bis zu 100 m die Aktivisten. Offensichtlich um Polizeikräfte in einen Hinterhalt zu locken und zu attackieren, setzten Castor-Gegner auf einem Waldweg Reifen und Äste in Brand. Auf den Wegen rund um diesen Brandort haben sie in einer Höhe von 150 Zentimetern Metallketten gespannt, augenscheinlich, um ankommende Fahrzeuge zu Stopppen. In unmittelbarer Nähe dieser Ketten befinden sich Depots mit Steinen, Krähenfüßen und Molotowcocktails. Ferner liegen dort bearbeitete Weihnachts¬kugeln und Golfbälle, die durch vorgenommene Veränderungen als gefährliche Wurfgeschosse einsetzbar sind. Bei Einsatz dieser Wurfkörper werden erhebliche Verletzungen der Einsatzkräfte in Kauf genommen oder sogar beabsichtigt.
* Bis zu diesem Zeitpunkt sind bereits 16 Fahrzeuge der Bundes- und Landes¬polizei beschädigt.
Unter anderem wird ein VW T 5 der Bundespolizei mit Molotow-Cocktails und Brandsätzen angegriffen und ist aufgrund der Schäden nicht mehr einsatzbereit. Die Fahrerin kommt dabei glücklicherweise ohne Verletzungen davon. Bei Leitstade wird ein Sonderbefehlswagen der Bundespolizei mit insgesamt 15 Molotow-Cocktails angegriffen, von denen sich sieben entzünden. Hierdurch werden Frontscheibe und ein Reifen beschädigt. Die weiteren Fahrzeuge sind u. a. durch Steinwürfe, Reifenstechen und Krähenfüße beschädigt.

Samstag, 26.11.2011

– Spezialkräfte eines Höheninterventionsteams holen bei Bavendorf drei Personen aus Bäumen nahe der Transportstrecke.
– Am Bahnhof in Göhrde werden mehrere Müllcontainer in Brand gesetzt. Das entfachte Feuer droht auf angrenzende Gebäude überzugreifen. Da die Feuerwehr den Brandort nicht erreichen kann, setzt die Polizei einen Wasserwerfer zu Löschzwecken ein.
– In Dannenberg nehmen bis zu 8000 Teilnehmer mit bis zu 400 Traktoren und einem Mähdrescher an der friedlich verlaufenden Demonstration teil.
– Im Bereich Harlingen besetzen in der Nacht auf Sonntag bis zu 3500 Personen die Gleise. Am Rande dieser Sitzblockade klettern zwei Personen seitlich in die Bäume und hängen sich dort mit Seilen ab. Parallel zu dieser Kletteraktion ketten sich zwei Aktivisten von Robin Wood im Gleis an. Die Personen werden durch Spezialkräfte sicher zu Boden gebracht und aus dem Gleis befreit.

Nach der Räumung werden ca. 1300 dieser Demonstranten vorübergehend einem auf einem angrenzenden Feld eingerichteten Außengewahrsam zugeführt.

Parallel zu den durchgeführten Richtervorführungen werden 478 Personen nach Identitätsfeststellungen mit einem gleichzeitigen Platzverweis aus dem Gewahrsam entlassen. Um 15.30 Uhr werden die restlichen Personen entlassen.

– Gegen 17.00 Uhr ketten sich sieben Greenpeace-Aktivisten bei Wendisch-Evern im Gleiskörper an. Das Gleisstück wird herausgetrennt, die Strecke wieder instand gesetzt.

Sonntag, 27.11.2011

– Gegen 00.40 Uhr ketten sich bei Vastorf vier Castorgegner an die Gleise der Transportstrecke. Durch Spezialkräfte wird diese Blockade gelöst. Um 16.30 Uhr ist diese Aktion beendet.
– Gegen 07.15 Uhr ketten sich vier Aktivisten der bäuerlichen Notgemeinschaft in einer Betonpyramide auf den Gleisen nahe Hitzacker an. Da sich die Polizei in zumutbarer Zeit nicht in der Lage sieht, die Personen unverletzt zu befreien und befürchtet, dass die Aktivisten durch weitere Arbeiten oder Ausharren Schäden an Leib und Leben davontragen könnten, werden intensive Gespräche vor Ort geführt. Die Polizei appelliert eindringlich, die Blockade aufzugeben. Gegen 22.00 Uhr entscheiden die Aktivisten im Interesse der eigenen Gesundheit, die Aktion zu beenden. In unmittelbarer Nähe besetzen rund 1000 Personen die Gleise. Innerhalb dieser Blockade kettet sich eine Person an. Nach Räumung und Befreiung setzt der Zug seine Fahrt fort und trifft um 04.29 Uhr im Verladebahnhof ein.
– In Gorleben am Ortsausgang in Richtung Laase auf der L 256 besetzen ca. 600 friedliche Demonstranten die Straße.
– Im Bereich der Göhrde kommt es immer wieder zu verschiedenen Aktionen seitens militanter Castorgegner. Unter anderem greifen in Grünhagen 200 bis 250 Personen Polizeikräfte mit Steinen und Pyrotechnik massiv an.
– Durch Protestler kommt es auf verschiedenen Straßen des Wendlandes zu mehreren Blockadeaktionen. Hierzu setzen sie u. a. Traktoren und landwirtschaftliche Geräte ein, zünden Reifen und Strohballen an und fällen Bäume.
– Auch Unbeteiligte sind durch die genannten Baumfällaktionen gefährdet. So fährt gegen 19.00 Uhr ein Pkw-Fahrer zwischen Küsten und Waddeweitz gegen einen gefällten Baum auf der Straße, es bleibt glücklicherweise beim Sachschaden.
– Auch Bauern im Wendland melden Schäden: Durch Chaoten wird zum Beispiel eine Miete mit 200 Tonnen Kartoffeln in Brand gesetzt – hierdurch entsteht dem Landwirt ein Schaden von ca. 16.000 Euro.

Montag, 28.11.2011

– In Gorleben am Ortsausgang in Richtung Laase auf der L 256 befinden sich am Morgen weiterhin ca. 600 Personen auf der Straße.
– Gegen 9.30 Uhr blockiert ein Klein-Transporter in Klein Gusborn die L 256 in Höhe Eichenweg. Der Transporter ist quergestellt und mit der Straße verankert, im Fahrzeug sind zwei Personen angekettet.
– Nach Beseitigung aller Blockaden starteten die Tieflader mit den Behältern um 18:37 Uhr.
– Zu einem letzten Stopp des Transports kommt es gegen 20.00 Uhr, als kurz vor Grippel zwei Personen auf das Führerhaus des ersten Fahrzeuges gelangen. Nachdem beide durch Spezialkräfte von der Zugmaschine abgeseilt sind, erreicht das letzte Fahrzeug des dreizehnten Castortransportes ohne weitere Zwischenfälle um 22.09 Uhr das Transportbehälterlager bei Gorleben.

Quelle: PM der Polizeipressestelle zum Castor – Transport vom 29.11.2011

Und hier ein Link zu einer Fotostrecke der Bild mit einem Foto von netten Kleinigkeiten, die die gewaltbereiten Castorgegner so für die Polizei vorbereitet hatten.

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