Mit diesem Slogan wirbt die Stadt Neuwied am Rhein für sich. Vor dem Hintergrund erscheint der erste Einsatz, zu dem „mein“ Streifenteam in dieser Mainacht gerufen wurde, absurd – eine Schlägerei in einem Dartclub war.

Das Team, das mich in dieser Nacht dabei hatte, bestand aus Sascha, einem erfahrenen Polizisten, sowie aus Sylvie, die recht neu bei der Polizei Rheinland-Pfalz war.

Die beiden entschärften die Streitigkeit, die in erster Linie aus einer Überdosis Alkohol und der daraus resultierenden zunehmenden Unfähigkeit zur gegenseitigen Verständigung der Streithähne resultierte. Ebenso befeuert Alkohol den Unwillen, Ärger einfach auch mal aus dem Weg zu gehen.

Sascha und Sylvie schafften es sehr gut, sich mit ihrer Kommunikation zu den Kontrahenten auf Augenhöhe zu begeben und irgendwann zog jeder seiner Wege.

 

Als nächstes wurden wir in einen der kleineren Orte geschickt, die im Dienstgebiet der PI Neuwied liegen.

„Da gehen immer komische Gestalten in der Wohnung eines unserer Mieter ein und aus.“ So hatte der Notruf bei der Polizei gelautet.

 

Schon beim Erklimmen der Treppe zur fraglichen Wohnung schwante uns Übles – denn der Geruch, der uns auf der Treppe entgegen kam, war nicht von schlechten Eltern.

Dem üblen Gestank zum Trotz klingelte Sascha. Mehrfach.

Tatsächlich wurde uns irgendwann geöffnet. Ein junger Mann machte die Tür auf. An seinen Zustand kann ich mich gar nicht so genau erinnern, denn mein Blick wurde angezogen von dem winzigen Ausschnitt der absolut chaotischen Wohnung, den ich sehen konnte. Und gleichzeitig deutlich eingetrübt von einem pestilenzartigen Geruch nach ungereinigtem Katzenklo.

„Wer sind Sie?“ erkundigte sich Sascha. Er hatte gerade meine grenzenlose Bewunderung, dass er sich nicht sofort vor die Füße des Bewohners dieses Desasters erbrach.

„Ich bin der Nachmieter.“

Aha?

Die Vermieterin, die in der Wohnung darunter lebte, und eigentlich auch in selbiger zu bleiben gebeten worden war, meldete sich zu Wort:
„Wie Nachmieter?“

Kurz und gut – der Mieter hatte sich verflüchtigt, wohl schon vor geraumer Zeit. Seine beiden Katzen hatten ihn dabei wohl eher weniger interessiert, denn diese vegetierten in der Wohnung mit dem „Nachmieter“. Anders kann man es nicht nennen, denn die Tiere waren in einem erbarmungswürdigen Zustand.

„Wann haben Sie den Tieren denn das letzte Mal Futter gegeben?“ erkundigte sich Sylvie.

Als Antwort erhielt sie nur ein Achselzucken.

Großartig!

Der feine Herr erhielt zuerst einmal einen Platzverweis sowie eine Wegeschreibung zur nächsten Obdachlosenunterkunft. Er packte seine Siebensachen, was nicht allzu lange dauerte, und verschwand …

Bei ihm hatte es sich wohl auch um die „komische Gestalt“ gehandelt.

Der Rest der Wohnung befand sich in einem unfassbaren Zustand. Das war mit Abstand die ekelhafteste Bleibe, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen hatte.

„Die Katzen können in keinem Fall hierbleiben“, stellte Sylvie kategorisch fest.

Recht hatte sie. Abgesehen davon, dass mir dieser Gedanke half, meinen Magen unter Kontrolle zu halten. Die Vermieter hatten weiß Gott genug am Hals. Ihren flüchtigen Mieter würden sie wohl nie wiedersehen. Ich wagte ernsthaft zu bezweifeln, dass der seine Mietschulden jemals begleichen würde. Dafür hatten sie ein hübsches Sümmchen für eine Sanierung aufzuwenden.

Trotz allem waren sie ganz bei Sylvie und liehen der Polizei zwei Katzenkörbe aus. Sylvie rief eine Freundin an, die im örtlichen Tierheim arbeitet. Mit einer Katze im Fußraum des bekanntlich nicht allzu riesigen Audis und einer auf meinem Schoß brachten wir sie ins Tierheim. Wo sie es mit Sicherheit besser haben würden als beim „Nachmieter“.

 

Von dort ging es zu einer Ruhestörung, die sich als bereits in Auflösung begriffener 50. Geburtstag entpuppte. Also gab es hier nur eines zu tun: zu gratulieren. Worüber sich das Geburtstagskind ernstlich freute.

 

Anschließend ging in die Fußgängerzone von Neuwied. Ein uraltes Ehepaar sorgte sich um seine Freundin. Diese beiden waren weit über die 90 Jahre, aber sehr rüstig und unfassbar liebevoll im gegenseitigen Umgang. Man kann sich wirklich nur wünschen, in dem Alter noch so gut bei- und zueinander zu sein.

Jedenfalls meldete die Freundin sich nicht. Ich kann mich leider nicht erinnern, wie die Sache ausging, aber ich kann mich gut an dieses wunderbare Ehepaar erinnern.

 

Ein Radfahrer passierte vor dem Streifenwagen eine rote Ampel und gewann eine Kontrolle.

 

Wir bestreiften einschlägige Kneipenviertel und anschließend das Gebiet vom Zoo. Auf den Parkplätzen treibt sich im Dunkeln gerne mal die eine oder andere lichtscheue Gestalt herum. In dieser Nacht war alles ruhig. Im von uns bestreiften Gebiet liegt auch das Tierheim. Sylvies Freundin hatte die Katzenboxen davor abgestellt. Die lasen wir schnell auf und brachten sie der Vermieterin zurück.

 

„Hier läuft einer besoffen durch die Gegend und klingelt überall.“

Dieser Notruf lotste uns in einen der kleineren Orte um Neuwied. Wir fanden auch recht schnell den jungen Herrn, der Stein des Anstoßes gewesen war. Offensichtlich orientierungslos und ebenso offensichtlich reichlich betrunken.

Meine Begleiter bekamen aus ihm heraus, dass sein Fußballverein gewonnen hatte und man sich daraufhin ordentlich selbst gefeiert hatte. Und da man ja sportlich ist, kann man dann auch nach Hause laufen.

„Wo wohnen Sie denn?“

„In X.“

Sascha hob die Augenbrauen.
„Dann sind Sie aber in der falschen Richtung unterwegs. X liegt da lang.“
Sascha zeigte in die entsprechende Richtung.

„Neeeee.“

„Doch.“

„Neeeee, ich kenn mich doch aus. Ich weiß doch, da ist die Kirche, da muss ich dann links und dann …“

Da war keine Kirche.

„Was wollen Sie eigentlich hier?“ versuchte Sascha es anders.

„Zu meiner Freundin.“

„Wo wohnt die denn?“

„In Y.“

„Sie sind hier aber in Z.“

Verwirrung machte sich in den Gesichtszügen des Herrn breit.

„Deshalb haben Sie auch überall geklingelt, kann das sein?“

Er zuckte die Achseln und wollte los. In seine ursprüngliche Richtung.

„Halt! Wohin des Wegs?“

„Na, nach X.“

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – Diskussionen mit Betrunkenen sind und bleiben einfach nur mäßig ergiebig.

Um es kurz zu machen: Ausgiebige Erklärungen und einige Versuche des jungen Mannes später, war klar, dass er es keinesfalls allein nach Hause schaffen würde, zumal der von ihm gesuchte Ort 12 km entfernt lag. Er war aber nicht so schwer betrunken, dass er ein Fall für den Rettungsdienst gewesen wäre. Letztlich stimmte er zu, mit einem Taxi nach Hause zu fahren. Wir blieben bei ihm, bis das Taxi kam.

 

Zuguterletzt gab es noch einen Einsatz wegen unklarer Rauchentwicklung an einem Mehrfamilienhaus mitten in Neuwied. Neben der Polizei rückten die Feuerwehr sowie ein Rettungswagen ein. Am Ende stellte sich heraus, dass sich einfach nur Torf selbst entzündet hatte. Die Feuerwehr löschte ihn schnell und damit war auch dieser Einsatz beendet.

Zwischendurch waren wir natürlich ein paar Mal in der Dienststelle, damit Sascha und Sylvie ihre Berichte schreiben konnten. In dieser Zeit kümmerte sich Ronny, der liebenswürdige Dienstgruppenleiter, um mich.

Danke Euch, für die tolle Nachtschicht und den herzlichen Empfang. Ihr seid klasse! Ihr macht dem Slogan der Stadt Neuwied alle Ehre!

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