Polizeipräsident Bernhard Weber betonte, die Fünf hätten durch Ihr couragiertes und beherztes Einschreiten anderen Menschen geholfen. „Sie haben sich für andere eingebracht. Sie sind Helden des Alltags“, so Weber. Das sei keine Selbstverständlichkeit. Die Gesellschaft entwickle sich scheinbar immer mehr zu einer gaffenden „Wegschaugesellschaft“. Es gebe diejenigen, die einfach nur wegschauen, wenn Hilfe und Unterstützung für Mitmenschen angebracht und vonnöten wäre, und diejenigen, die zwar hinschauen, gaffen, die aber gleichermaßen keine Hilfe leisteten. Letztere ergötzten sich scheinbar am Schicksal anderer mit dem wohlwollenden und beruhigenden Gefühl, selbst dieses Schicksal nicht erleiden zu müssen. Eigentlich eine menschenverachtende Tugend. Hier sei von Empathie keine Spur. Erschwerend komme hinzu, dass immer öfter Hilfs- und Rettungskräfte angepöbelt, beleidigt oder gar angegriffen werden. Der Polizeipräsident sei der Justiz sehr dankbar, dass sie derartige Aktivitäten, gemeint sind damit vor allem Körperverletzungen und Beleidigungen zum Nachteil von Hilfs- und Rettungskräften sowie von Polizeibediensteten, sehr nachdrücklich sanktioniere.

Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger von der Staatsanwaltschaft Ulm betonte in gleicher Weise das mutige und zugleich besonnene Verhalten der Geehrten. So hätten sie Opfern von Straftaten oder Unfällen in ihrer vielleicht schwersten Stunde ihres bisherigen Lebens uneigennützig und tatkräftig geholfen und zugleich der Polizei und Justiz bei ihrer Ermittlungsarbeit wertvolle Dienste erbracht. Auch als Zeugen im gerichtlichen Verfahren bedürfe es mitunter Mut, um es der Justiz durch eine wahrheitsgetreue Aussage zu ermöglichen, ein richtiges und gerechtes Urteil zu sprechen. „Dafür kann man den Geehrten nicht genug danken, zumal sie tolle Vorbilder sind“, so Bischofberger.

Die Geehrten wurden prämiert und erhielten aus den Händen von Polizeipräsident Weber, Oberstaatsanwalt Bischofberger und Polizeivizepräsident Reinhold Hepp eine Zuwendung des Fördervereins des Polizeipräsidiums Ulm e. V. als sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Dankes.

Geehrt wurden:

1. Frau Brigitte Bodamer aus Ulm. Sie hatte am 11. Oktober 2018 den Anruf eines angeblichen Polizeibeamten erhalten. Der fragte nach Geld. Frau Bodamer kam dies verdächtig vor. Sie erkundigte sich bei der richtigen Polizei. Zusammen mit den Ermittlern täuschte sie die Betrüger und vereinbarte eine Geldübergabe. Wenige Tage später wurde erst der Geldabholer festgenommen, im Zuge der weiteren Ermittlungen dann einer der Hintermänner. Frau Bodamer habe durch ihr überlegtes Handeln Staatsanwaltschaft und Polizei bei den Ermittlungen mutig unterstützt.

2. Frau Gitta Schunter aus Wäschenbeuren. Sie hörte am 23. Juni, gegen 6 Uhr, Lärm in der Geranienstraße in Wäschenbeuren. Sie sah, wie vier Personen aufeinander losgingen. Mit einem Beil, Messern und Gürteln bewaffnet verletzten sich die Streitenden gegenseitig. Zwei der Beteiligten waren offenbar verletzt und bluteten. Überlegt, mit großem Mut und der notwendigen Vorsicht gelang es Frau Schunter, Messer und Beil aus dem Bereich zu holen, so dass die Beteiligten keinen Zugriff mehr darauf hatten. So verhinderte sie weitere schwere Verletzungen. Dann kümmerte sie Frau Schunter um die Verletzten, bis Polizei und Rettungsdienst eintrafen. Frau Schunter handelte vorbildlich im Sinne der Aktion „Tu was“ das Polizei: Sie half, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Sie organisierte Hilfe und kümmerte sich um die Verletzten. Und sie unterstützte die Polizei bei den Ermittlungen.

3. Herr Michael Schmid aus Bächingen an der Brenz. Herr Schmid fuhr am 24. April auf der Landstraße von Sontheim/Brenz nach Niederstotzingen. Vor ihm fuhr ein Motorrad mit Beiwagen, aus dem plötzlich Flammen schlugen. Dessen Fahrer erkannte das und lenkte nach rechts auf einen Feldweg. Der gelähmte Fahrer konnte jedoch sein Motorrad nicht selbstständig verlassen. Herr Schmid versuchte, die Flammen, die schon die Beine des Fahrers erfasst hatten, mit Wasser aus einer Flasche zu löschen. Beherzt griff er nach dem Motorradfahrer und zog ihn von der Maschine. In diesem Moment hielt ein weiterer Zeuge seinen Lastwagen an. Er nahm einen Wasserkanister und löschte die Flammen. Dank des beherzten Eingreifens der Beiden konnte der Motorradfahrer vor Schlimmerem bewahrt werden. Bis dahin hatte er schon schwerste Verletzungen erlitten. Der Rettungsdienst brachte ihn in eine Spezialklinik. Das Motorrad brannte vollständig ab. Herr Schmid hat gemeinsam mit einem weiteren Zeugen das Leben des 47-Jährigen gerettet, während Andere ohne zu halten und Hilfe anzubieten vorbeifuhren.

4. Herr Saber Mazeni aus Ulm. Er hatte am 25. August erfahren, dass in der Damentoilette eines Ulmer Lokals vermutlich eine Frau hilflos liegt. Er schaute sofort nach und öffnete die Kabine. Herr Mazeni erkannte die Frau auf dem Boden, darüber einen Mann. Der stieß Herrn Mazeni zur Seite rannte davon. Sofort rannte Herr Mazeni hinterher. Nach etwa 100 Metern hatte er den Flüchtenden eingeholt und hielt ihn, zusammen mit einem weiteren Zeugen fest. Trotz aller Gegenwehr konnte die beiden Männer den mutmaßlichen Täter an der Flucht hindern und der Polizei übergeben. Damit haben Herr Mazeni und der zweite Zeuge nicht nur die Ermittlungen der Polizei unterstützt, sondern dem Opfer in dieser schweren Lage deutlich gemacht, dass es nicht allein ist. Dass es Menschen gibt, die helfen.
Ein wichtiges Signal für jedes Opfer, um die Folgen so massiver Gewalt bewältigen zu können.

5. Herr Dieter Kolesch aus Biberach. Am 28. August, gegen 3 Uhr, hörte Herr Kolesch in Biberach aus der Wolfentalstraße Scheiben klirren. Er sah nach draußen und erkannte einen Mann, der auf dem Dach eines benachbarten Hauses durch ein Fenster ins Gebäude kletterte. Sofort verständigte Herr Kolesch die Polizei und hielt den Kontakt zum Lagezentrum. So gelang es, den mutmaßlichen Einbrecher auf dem Dach des Hauses festzunehmen. Er hatte bereits 27 E-Gitarren im Wert von 25.000 Euro bereitgelegt. Herr Kolesch hat Verantwortung gezeigt und sich als Zeuge vorbildlich verhalten. Er hat sich nicht einfach weggedreht und das Scheibenklirren ignoriert, sondern nachgeschaut und überlegt gehandelt.
So hat er die Ermittlungen der Polizei maßgeblich unterstützt und größeren Schaden für die betroffene Firma verhindert.

Info: Der Förderverein des Polizeipräsidiums Ulm e. V. ist ausschließlich gemeinnützig tätig: Zweck des Vereins ist vor allem die Anerkennung von Menschen, die Zivilcourage gezeigt und damit zur Förderung der inneren Sicherheit beigetragen haben sowie die Unterstützung von Maßnahmen der Verkehrs- und Kriminalprävention. Darüber hinaus geht es dem Verein um ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und Polizei des Polizeipräsidiums Ulm.
Ansprechpartner und 1. Vorsitzender ist Bürgermeister Friedrich Nägele, Oberdischingen (E-Mail: ulm.pp.foederverein@polizei.bwl.de).

Info: Mit sechs einfachen Tipps für Zeugen und Helfer will die Polizei Zivilcourage unterstützen:

– Hilf, aber bring Dich nicht in Gefahr.
– Ruf die Polizei unter 110.
– Bitte andere um Mithilfe.
– Präg dir Tätermerkmale ein.
– Kümmere Dich um Opfer.
– Sag als Zeuge aus.

Wer diese Regeln beachte, könne auf einfache Art und Weise Menschen in Not helfen. Mehr Infos unter www.aktion-tu-was.de.

Hinweis an die Redaktionen: Der Meldung liegt ein Foto der Geehrten bei. Weitere Bilder stehen bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm auf Anfrage zur Verfügung.

PM des PP Ulm vom 07.11.2019

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